35 Tote bei Anschlag auf Moskauer Flughafen

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Bonafight
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35 Tote bei Anschlag auf Moskauer Flughafen

von Bonafight am 24.01.2011 19:38

Moskau (dpa) - Schwerer Terroranschlag auf dem modernsten Moskauer Flughafen Domodedowo: Inmitten Hunderter wartender Menschen sprengte sich am Montag ein Selbstmordattentäter in die Luft. Mindestens 35 Menschen starben, bis zu 130 wurden verletzt.

Vermutet wird, dass der Mann aus dem Konfliktgebiet im russischen Nordkaukasus kam.

In den vergangenen Jahren verübten wiederholt islamische Extremisten aus der Unruheregion Terrorakte in Moskau. Stunden nach dem Anschlag entdeckten Ermittler die Leiche des mutmaßlichen Attentäters, der als 30 bis 35 Jahre alter Mann mit «arabischem Aussehen» beschrieben wurde.

Staatspräsident Dmitri Medwedew schaltete den Inlandsgeheimdienst FSB ein und ordnete im ganzen Land erhöhte Alarmbereitschaft an. Auf Flughäfen und Bahnhöfen gelte von sofort an eine erhöhte Sicherheitsstufe, sagte Medwedew am Montag im Staatsfernsehen.

Die Explosion, deren Wucht der Detonation von fünf bis zehn Kilogramm TNT entsprach, habe sich um 16.32 Uhr (14.32 Uhr MEZ) in der Ankunftshalle in der Nähe eines Cafés ereignet, meldeten russische Agenturen unter Berufung auf die Polizei. Auch Stunden nach dem Anschlag flossen Informationen über das Geschehen nur spärlich: Selbst das russische Fernsehen zeigte zunächst keine eigenen Bilder, sondern brachte Videos, die Augenzeugen auf YouTube und andere Internet-Plattformen hochluden. Nach unbestätigten Berichten explodierten zwei Sprengsätze, die mit Metallstücken gefüllt waren.
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Der Täter zündete seine Bombe in der Ankunftshalle. Rauch, Trümmer und Glassplitter erschwerten die Bergungsarbeiten, berichteten Augenzeugen. Rund 50 Krankenwagen rasten zu dem etwa 45 Kilometer vom Stadtzentrum entfernten Flughafen. Die Verletzten wurden in die umliegenden Kliniken gebracht. Rettungskräfte bezifferten die Zahl der Verletzten auf rund 130. Der Flughafen sprach später von 46 Verletzten.

Nach dem Anschlag gab es zunächst keine Hinweise auf deutsche Opfer. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte am Montag in Berlin, es gebe noch keine verlässlichen Angaben zur Herkunft der Toten und Verletzten. Mitarbeiter der deutschen Botschaft seien aber bereits am Flughafen und im Kontakt mit den russischen Behörden.

Die russischen Behörden stoppten zunächst alle internationalen Flüge in Domodedowo, darunter auch Landungen der deutschen Gesellschaften Air Berlin und Lufthansa. Die Maschinen wurden auf die beiden anderen Moskauer Flughäfen Wnukowo und Scheremetjewo umgeleitet. Eine in Düsseldorf gestartete Lufthansa-Maschine musste auf halber Strecke umkehren. Schon nach kurzer Zeit wurde der Flugbetrieb auf Domodedowo wieder aufgenommen.

Medwedew kritisierte, dass offenbar zu laxe Sicherheitsvorkehrungen zu dem Anschlag geführt hätten. Wegen der aktuellen Lage sagte er kurzfristig seine Eröffnungsrede auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos ab, zu dem er am Dienstag fliegen wollte.

Regierungschef Wladimir Putin schaltete sich in die Ermittlungen ein. Die Sicherheitskräfte suchen nach drei verdächtigen Männern.

Aus Furcht vor weiteren Anschlägen versetzten die Moskauer Behörden auch die beiden anderen internationalen Moskauer Flughäfen sowie die Metro in Alarmbereitschaft. In der U-Bahn hatte sich im März 2010 ein Selbstmordanschlag mit 40 Toten ereignet. Die Täterinnen kamen damals aus dem Unruhegebiet Nordkaukasus.

Im Nordkaukasus kämpfen islamistische Untergrundkämpfer für ein von Moskau unabhängiges «Emirat». Moskau hat in der Region, zu der die muslimisch geprägten Teilrepubliken Dagestan, Inguschetien und das frühere Kriegsgebiet Tschetschenien gehören, nach Behördenangaben etwa 24 000 Soldaten und Polizisten stationiert. Die Terroristen werden offiziell als «Banditen» bezeichnet. Fast täglich kommt es zu blutigen Zwischenfällen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den Anschlag mit «Abscheu». In einem Schreiben an den russischen Präsidenten sprach sie von einem «feigen Anschlag». Sie sagte Medwedew Unterstützung bei der Aufklärung zur. Auch der Präsident des Europaparlaments, Jerzy Buzek, zeigte sich erschüttert. «Terrorismus und Gewalt können niemals gerechtfertigt werden», sagte Buzek in Brüssel.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte Moskau enge Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus zu. «Wir sind zusammen in diesem Kampf», sagte der Däne am Montag in Brüssel. «Das ist eine gemeinsame Bedrohung, die wir vereint angehen müssen», sagte Rasmussen mit dem Blick auf das Attentat. «Die Nato drückt ihre Solidarität mit dem russischen Volk und der Regierung aus.»
dpa-info.com GmbH

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